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Wolfstraum

Ich war von der Arbeit nach Hause gekommen und durch den Stress des Tages ziemlich erledigt. Eigentlich stand mir nur noch der Sinn nach Ruhe. Nachdem ich mich umgezogen hatte, ging ich in mein Arbeitszimmer, legte eine Cd mit entspannender Musik ein und machte es mir auf der Couch gemütlich. Es dauerte auch gar nicht lange, dass ich mich auf eine Meditation zu den Elementen einliess. Mit dem Rhythmus der Musik und dem Geräusch der Wellen, die ich aus dem Cd-Player vernahm, sank ich auch sehr schnell tiefer und tiefer in die Entspannung.

Nach einer Weile spürte ich, wie das monotone Rauschen der Wellen mein inneres Ich auf ihren Wogenkämmen sanft empor hoben. Ich löste mich von meinem Körper und schwebte frei im Raum, sah mich selbst auf der Couch liegen und schlafen.

Ich war nicht überrascht ob der Situation, denn vor Jahren habe ich diese häufiger erlebt und dabei einige Erfahrungen gesammelt, aber es war völlig in Vergessenheit geraten. Früher mußte ich mich lange auf einen solchen "Zustand" vorbereiten und manchmal dauerte es nur Sekunden, und ich war wieder in meinen Körper zurück- gekehrt. Doch heute war es ganz anders, ich reise nun schon seit einiger Zeit durch die Anderswelt und bin erfahren darin, aber was ich dieses mal erlebte, war ganz neu, etwas völlig anderes.

Erst war ich noch in meinem Arbeitszimmer, aber dann, animiert durch die Musik und die Geräusche, befand ich mich am Meer. Es war ein wunderbarer Tag, mit blauem Himmel und die Möwen flogen über meinem Kopf hin und her. Die riesigen Wellen brachen sich an der felsigen Küste. Ich genoss dieses Bild und fühlte mich einfach wunderbar.

Doch dann, mein Blick wendete sich in Richtung der Dünen, sah ich einen Wolf auf mich zulaufen, meinen Wolf, und im gleichen Moment war ich nicht mehr am Strand, sondern im Wald, mutterseelen allein. Ich schaute mich um, überall nur Bäume und Buschwerk, weit und breit kein Lebewesen, nur ich und Mutter Natur. Nach einer Weile ging ich einfach drauf los, ganz ohne Ziel und suchte mir einen Weg durch das Dickicht.

Ich mochte so um die zwei Stunden gelaufen sein, da fand ich in einen Ring aus Ilexpflanzen einen schlafenden Wolf; es war mein Wolf, der mich schon oft auf meinen Wegen begleitet hatte. Ich schaute ihn eine Weile ganz ruhig an und prägte mir jedes Detail an seinem Körper ein, doch dann fing ich an, mir Sorgen zu machen. Der Wolf lag so ruhig da, fast wie tot, und ich ging leise auf ihn zu. Ich kniete mich zu ihm herab und wollte sehen, was mit ihm los ist, als ich sehe, wie seine Läufe zucken. Der Wolf schläft, tief und fest, träumt wahrscheinlich von einer Jagd.

Ich lege meine Hand auf seinen Körper, und nach einer Weile lege ich auch die andere darauf - im gleichen Augenblick befinde ich mich im Körper des Wolfes. Ich werde wach, schau etwas benommen in die Welt und sehe nur Büsche und Bäume um mich herum. Ich laufe los, ohne direktes Ziel und mehme links und rechts von mir Wild wahr(Beute), aber es interessiert mich nicht. Ich verfolge nur den Weg, wovon ich nicht weiß, wohin. Er führt mich über Berge, Wiesen und Felder, immer in eine Richtung, vorbei an einem See; dort mache ich eine kurze Pause und stille meinen Durst. Doch dann geht die Reise weiter und ich laufe und laufe, soweit wie ich vermag. Es dauert Stunden, bis ich an den Rand eines Kiefernwaldes gelange und durch ihn hindurch an die Gestade eines Meeres. Ich wittere die salzige Luft und atme sie tief in meinen Körper hinein. Da, ich sehe am Strand einen Menschen stehen und erkenne diesen Menschen. Ich bin es - und der Mensch dreht sich zu mir herum und wir schauen uns in die Augen, in seine Augen, in meine Augen. Plötzlich ist der Mensch verschwunden, ich laufe weiter, suche ihn. Ich laufe über Berge, durch Wälder und über Wiesen und Felder, hinein in eine Stadt, auf Straßen und Bürgersteigen, die Menschen, die dort laufen, nehmen mich nicht wahr. Ich laufe einen Berg hinauf, ein Stück hinab, ein Haus, eine Treppe, durch die Tür, welche ich nicht öffne, durch einen Flur in ein Zimmer und sehe einen Mann, schlafend auf einer Couch. Neben dem Mann auf der Couch erkenne ich den Freund vom Strand; wieder der Blick in seine Augen, meine Augen. Wir tanzen und verschmelzen, kehren zurück in den Körper des Schläfers.

Eine Weile später werde ich wach und es ist, als hätte es diesen anstrengenden Tag nicht gegeben. In mir fühle ich die wilde, ungezähmte Kraft der Natur und bin bereit zu neuen Taten.


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